CLIB2021 News

24.11.2010Kautschuk - Optionen für die Biotechnologie
Am 24. November 2010 fand in der CLIB2021-Geschäftsstelle das Forum "Kautschuk - Optionen für die Biotechnologie" statt. Die Referenten, CLIB2021-Mitglieder aus KMU und Akademie und einem Vertreter aus der Reifenindustrie, gaben detaillierte Einblicke in die momentanen Problematiken des Naturkautschuks.

Herr Professor Prüfer vom Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie (IME) erläuterte beeindruckend die Problematik des Kautschukbaumes Hevea brasiliensis und warum alternative Naturkautschukproduzenten gefunden werden müssen. Nicht nur meteorologische Phänomene wie Überflutungen in den Anbaugebieten sind der Grund für Ernteausfälle, sondern im Besonderen auch der Befall der Pflanzen durch den Pilz Microcyclus ulei als Verursacher der südamerikanischen Blattkrankheit. So resultiert aus Schädlingsbefall ein vermutlicher Ernteverlust von ca. 25 % - ein immenser ökonomischer Schaden. Herr Prüfer hat es jedoch zusammen mit seiner Arbeitsgruppe geschafft, den russischen Löwenzahn Taraxacum koksaghyz so zu verbessern, dass eine Nutzbarmachung dieses Naturkautschukproduzenten möglich geworden ist. Produktionen von bis zu 500 kg Kautschuk/ha sind bereits heute Realität. Und dies nicht genug: Latexprodukte basierend auf T. koksaghyz-Kautschuk weisen keine der bekannten Allergen auf, die eine Nutzung von Naturlatex aus dem Kautschukbaum für medizinische Zwecke fast unmöglich machen. Allein dieser Vorteil lohnt eine intensive Forschung. Hier schloss sich der Beitrag von Dr. Peter Welter, Geschäftsführer der Phytowelt Green Technologies, nahtlos an. Zusammen mit der Arbeitsgruppe von Prof. Prüfer startete im September 2010 ein durch die DBU gefördertes Projekt für die Produktion von Latex und Kautschuk mittels Zellkultur (LaKaZell). Die Phytowelt verfügt über patentierte Technologien, wie multi-Enzymsynthesen und das phytomining, um dieses Projekt zum Erfolg zu führen.

Im nächsten Vortrag stand der praktische Einsatz von Kautschuk im Mittelpunkt. Herr Dr. Georges Thielen von der Firma Goodyear eröffnete Einblicke in die Problematiken eines weltweit bekannten Reifenherstellers. Aufgrund der bekannte Rohstoffknappheit und den damit einhergehenden Rohstoffpreiserhöhungen besteht ein unglaubliches Interesse daran, Alternativen zum bisherigen Kautschuk zu finden. Leider erfüllt synthetischer Kautschuk nicht alle notwendigen Eigenschaften des Naturkautschuks für eine komplette Substitution. Die alternative Rohstoffquelle T.koksaghyz lässt den Reifenhersteller aufhorchen. Aber nicht nur der Kautschuk als Hauptbestandteil des Reifens könnte durch biotechnologische Produkte ersetzt werden, sondern auch die sogenannten fillers. Hier könnten Lignin - Lignocellulose oder Ligninsulfate - oder aber auch spezielle Proteine bzw. Aminosäuren interessant sein.

Zum Abschluss des Forums stellte Herr Dr. ir. Wim van der Wilden sein Unternehmen, Dyadic NL, als neues CLIB2021 Mitglied vor und beschrieb die fermentativen Möglichkeiten zur Produktion von Enzymen (bis zu 100 g/l). Dyadic verfügt über namhafte Kooperationspartner, wie z.B. Codexis oder Abengoa.