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28.07.2013Industriestandort Nordrhein-Westfalen strebt Spitzenposition bei Bioökonomie an
Das Industrieland Nordrhein-Westfalen will zu einem führenden europäischen Standort für Bioökonomie werden. Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat die Landesregierung sich auf eine gemeinsame Bioökonomiestrategie verständigt. Zentrale Punkte sind dabei neben einer ressortübergreifenden Vernetzung und Abstimmung der Maßnahmen sowie einer intensiven Einbeziehung der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften bei der Entwicklung von Lösungsansätzen insbesondere die Entwicklung "guter Standards" für Bioökonomie. Deshalb seien "der Anbau, die Freisetzung und die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen ein absolutes Tabu für eine Landesförderung", sagte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze.

Die Landesregierung versteht unter Bioökonomie die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen unter nachhaltiger Nutzung von biologischen Ressourcen – u.a für den Wandel von einer auf Erdöl basierenden zu einer auf nachwachsenden Rohstoffen basierenden Gesellschaft. Die Bioökonomie kann fast alle industriellen und wirtschaftlichen Sektoren und ihre dazugehörigen Dienstleistungen betreffen.

Eine vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie sah für Nordrhein-Westfalen als einen der größten Energie-, Pharma- und Chemiestandorte in Europa ein großes Potenzial der Bioökonomie. Nordrhein-Westfalen verfüge über hinreichend nachwachsende Rohstoffe und eine starke wissenschaftliche Basis in bioökonomie-relevanten Bereichen. Auf Basis der Studie wurde ein dialogorientierter Beteiligungsprozess zu den Möglichkeiten von Bioökonomie in Nordrhein-Westfalen konzipiert und in 2012 umgesetzt.

Dabei erweitert Nordrhein-Westfalen als erste Region in Europa den üblicherweise nur Produktion und Industrie berücksichtigenden Bioökonomiebegriff um den Gesundheitssektor. Dieses im Vergleich zur EU und der deutschen Bundesregierung erweiterte Verständnis der Bioökonomie deckt sich mit der Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die EU-Kommission hat im Übrigen die europäischen Regionen explizit aufgefordert, regionale Strategien zur Bioökonomie zu entwickeln. Gleichzeitig soll die Bioökonomie laut EU-Kommission ein wichtiges Themenfeld zukünftiger Fördermaßnahmen sein.

Drei Schwerpunktthemen, an denen derzeit in NRW geforscht wird:

  • Biopolymere/funktionalisierte Oberflächen und Materialien: So untersucht zum Beispiel die Universität Münster die Verwendungsmöglichkeit von Löwenzahn für die Kautschukproduktion. Bisher wurde in der Polymerchemie vor allem mit fossilen Rohstoffen gearbeitet.
  • Bioraffinerien: Das Oberhausener Fraunhofer-Institut Umsicht erforscht den Einsatz von Grünschnitt und Lebensmittelresten. Das Forschungszentrum Jülich arbeitet an der Nutzung von Mikroalgen bei der Herstellung von Kerosin.
  • Biopharmazeutika: Diagnostika und Medizintechnik. In Deutschland werden bereits 17 Prozent des gesamten Pharmamarktes allein durch den Umsatz mit Biopharmazeutika erzielt – Tendenz steigend. In NRW wird z. B. an innovativen Zelltherapien für die Bekämpfung von Krebserkrankungen gearbeitet.

Wissenschaftliche Grundlagen zur Bioökonomie werden interdisziplinär bereits im Bioeconomy Science Center (BioSC) gebündelt, das projektbezogen durch das Land mit rund 58 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren gefördert wird.

Quelle: MIWF NRW